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  • AutorenbildBirgit Fuß

FUSSNOTEN

Chris von Rohr: “Meh Glück!” (Wörterseh)


 

Es wird Sie vielleicht überraschen, hier ein Buch zu sehen, dessen Untertitel "Liebeserklärungen ans Leben" lautet, aber: Was fordert mehr zu Lebensfreude auf als die Endlichkeit? "Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern, dass man nie beginnen wird zu leben", sagte schon Mark Aurel, und wenn das einer verinnerlicht hat, dann ja wohl Chris von Rohr. Kurz erklärt für Menschen, die sich nicht so für Rockmusik interessieren: Chris von Rohr ist der Gründer der Schweizer Hardrock-Institution Krokus, Produzent und Songwriter, er hat ein paar Dutzend Goldene Schallplatten in seiner Villa in Solothurn rumstehen, ist Fernsehstar und Bestsellerautor und mehr als alles andere: Lebenskünstler.

 

In "Meh Glück!" erzählt er viele Anekdoten aus seinem wilden (und manchmal erstaunlich stillen) Leben, philosophiert über verschiedenste Bereiche, zitiert Hermann Hesse und Osho, Voltaire und Shakespeare, aber auch mal George Clooney oder einfach sich selbst. Es gibt viel zu lachen, viel nachzudenken und nicht selten was hinter die Ohren. Von Rohr hat keine Geduld für Leute, die auf ausgelatschten Wegen vor sich hin trotten und gar nicht sehen, was alles möglich ist. Er plädiert für den Mut zum Träumen und die größtmögliche Freiheit, und immer wieder findet er das Glück im vermeintlich Kleinen - in einem Apfel, einer Blüte, einem Glas Wein, einer Schneeflocke. Na, und Frauen sind ebenfalls nicht ganz unwichtig. (Wer denkt, Hardrocker müssten immer Machos sein, wird hier freudig überrascht werden.)

 

Aber zum Thema dieser Seiten, einer der Essays heißt "Hallo, Tod". Auch hier öffnet Chris sein Herz und teilt seine Erkenntnisse, genau wie seine Unsicherheiten: "Was nach dem letzten Atemzug passiert, kann ich nur erahnen, aber ich glaubte schon immer an ein Leben vor dem Tod ... Wenn wir das Leben verraten, es also nicht auskosten, ist das wie ein vorgezogener Tod." Mark Aurel lässt grüßen!

 

Wir wissen es natürlich nicht, doch Chris gibt zu, dass er fest daran glaubt, dass wir alle Engel werden und im Jenseits Ruhe und Frieden ist. Ich unterstütze das! Es mag manchen Menschen peinlich sein, von Engeln zu sprechen, aber die haben vielleicht nur zu viele Kitschfigürchen gesehen. Eigentlich sind Engel einfach "Geistwesen" - und wer sich vorstellen kann, dass mit der Materie nicht gleich alles Geistige mit verschwindet, sondern eine Art Essenz vielleicht bleibt, der sollte keine Angst vor Engeln haben. Sie müssen ja keine weißen Flügelchen haben.

 

Gleichzeitig denkt Chris ganz pragmatisch an die unangenehmen praktischen Folgen, die ein Tod oft mit sich bringt: "Vor dem Ego kommt die Verantwortung. Jeder Mensch kann sich bereits in mittelalterlicher Frische mit der Frage beschäftigen, was zu regeln ist, um den Hinterbliebenen unnötigen Ärger zu ersparen." Es ist viel, viel leichter, über Dinge wie Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Testamente zu sprechen, wenn es gar nicht aktuell ist, als im Krankenhaus oder Hospiz. Glauben Sie jemandem, der das Gegenbeispiel erlebt hat! Niemand möchte einen Sterbenden mit einem Notarsbesuch quälen.

 

Und wenn es dann vorbei ist? Auch hier decken sich meine Erfahrungen mit denen von Chris: "Ich erlebe immer wieder, dass Tote gar nicht tot sind. Sie begleiten mich nach wie vor, und ich verbinde mich gerne mit ihnen und mit all dem, was uns einst verband. Ich finde das tröstlich. Wirklich tot auf Erden bist du erst dann, wenn alle dich vergessen haben." Also leben wir so, dass das nicht passiert! Dass wir schöne Erinnerungen hinterlassen - und möglichst viele Menschen, die gern an uns denken, in Dankbarkeit und Liebe. Wenn wir wenig zu bereuen haben, wird wahrscheinlich auch der Weg ins große Unbekannte leichter. Man muss nicht lebensmüde sein, im Gegenteil - man kann sehr gespannt sein auf alles, was hier auf der Erde noch kommt, und doch die Endlichkeit begrüßen: "Ein bisschen freuen auf den Tod, auf die große Entspannung, dürfen wir uns schon. Und wenn das nicht gelingt, dann sollten wir wenigstens versuchen, ihn nicht zu verdrängen." Oder zu fürchten.

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